Luc Besson. „Ich muss sagen: Mein Job als Produzent ist der leichteste. Am schwierigsten ist es, ein Drehbuch zu schreiben, denn da bist du sehr allein“, sagt Luc Besson. „Und noch ein bisschen schwieriger ist es, das Drehbuch als Regisseur zu inszenieren, draußen im Feld“.
Der französische Tausendsassa, der mit seiner Produktionsfirma Europacorp. seit vielen Jahren Blockbuster Made in Europe herausbringt (etwa die erfolgreiche „Taxi“-Reihe oder die „Transporter“-Serie, von der derzeit die Teile fünf und sechs geplant sind), hat sich nach seinem Welterfolg „Das fünfte Element“ immer wieder mal für längere Zeit aus dem Beruf des Regisseurs zurückgezogen und stattdessen hinter den Kulissen Filme ermöglicht. „Als Produzent hast du eigentlich nicht viel mehr zu tun, als mit deiner Crew zu scherzen“. Naja, und das Geld aufzustellen eben.
Bei der Schweizer Premiere von „Lucy“ in Locarno fehlte Top-Star Scarlett Johansson – sie kam aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht zum Festival. „Scarlett ist eine grandiose Schauspielerin, die immer perfekt vorbereitet zum Set kommt“, lobt Besson. Als Titelheldin Lucy ist Johansson die wahre Attraktion des Sci-Fi-Thrillers, in dem sie eine Drogenkurierin wider Willen spielt. Die Rauschmittel werden ihr in den Körper operiert. Doch sie treten aus der Plastikverpackung aus und verleihen ihr – anstatt eines qualvollen Todes – ungeahnte Kräfte.
„Viele meiner Heldinnen sind Frauen, von ‚Nikita‘ über ‚Das fünfte Element‘ bis hin zu ‚Jeanne d’Arc‘“, sagt Besson. „Lucy aber ist anders als die anderen: Denn sie ist nicht schon von Beginn an eine starke Frau, sondern sucht erst ihre Position. Sie ist Studentin und weiß mit ihrem Leben eigentlich nicht wirklich etwas anzufangen. Bis sie dann unvermittelt in dem Job als Drogenkurierin landet. Ich wollte eine Figur entwickeln, die nichts Besonderes ist, und erst, als ihr etwas Schreckliches widerfährt, zu etwas Besonderem wird“.
Dass Besson nicht gerade eine Aushängeschild in Sachen französischer Film ist (seine Filme sind keine Arthaus-Dramen mit viel Dialog, sondern knallharte Actionkracher), kümmert ihn wenig. „Ich sehe mich als Künstler, und da ist es doch egal, welchen Pass der hat“. Besson, der amerikanischste Filmemacher Frankreichs? „Das können die anderen gerne so sehen“, sagt er. „Für mich ist jedenfalls klar: Kunst kennt keine Herkunft, und ich mag die multikulturelle Welt. Für mich ist es ein Segen, in Island sitzen zu können, dabei Sushi zu essen und Reggae-Musik zu hören“.