Action. Daniel Craig als tollkühner Pilot, der mit seinem Flugzeug die Autos von Gangstern über eine Gletscherstraße jagt: Wer den Bond-Thriller „Spectre“ gesehen hat, dem stockt noch heute der Atem über die Action-Sequenz. Sechs Monate dauerten die Vorbereitungen, 15 Tage lang wurde in Sölden gedreht.
Die sechs Minuten lange Szene ist ein zentrales Element von „007 Elements“, der neuen Schau im vermutlich höchstgelegenen Filmmuseum der Welt. Während das „Spectre“-Team beim Dreh im Winter 2015 Hollywood-Flair nach Tirol brachte, dachte ein Tourismus-Pionier schon weiter. Jakob „Jack“ Falkner, der Chef der Bergbahnen Sölden und „ungekrönte König des Ötztals“ (
Die Zeit), wollte sich nicht damit begnügen, das Wintersport-Revier auf der Kinoleinwand zu sehen.
Die Idee. Falkner im FilmClicks-Gespräch: „Ich dachte mir, das ist super, wenn die hier filmen – aber was dann? Mein Ziel war es, in dieser einzigartigen Location etwas Nachhaltiges zu entwickeln.“ So entstand die Grundidee zu „007 Elements“. Und die EON Productions in London, denen die Bond-Rechte gehören, ließen sich vom Elan des Tirolers anstecken. Sie gaben grünes Licht für das Projekt. EON-Archivdirektorin Meg Simmonds: „Diese Ausstellung ist einzigartig in der Welt. Zum ersten Mal wurde ein Gebäude speziell für das Bond-Environment konstruiert.“
Zur Realisierung der Schau kam ein internationales Trio zusammen. Der Innsbrucker Architekt Johann Obermoser, der schon das futuristische Ice-Q-Restaurant auf dem Gaislachkogl entwarf, kümmerte sich um die baukünstlerischen Aspekte. Der Engländer Neal Callow (Art Director der Bond-Thriller „Skyfall“ und „Spectre“) sowie der Deutsche Tino Schaedler (Mastermind der Kreativagentur Optimist Inc.) nahmen die Bespielung des 1.300-Quadratmeter-Areals in Angriff.
Von außen ist von dem Bauwerk, das gleich neben der Bergstation der Gaislachkogl-Bahn und dem Ice Q entstand, sehr wenig zu sehen. Von Aussichtsplattformen abgesehen, die den Blick auf die umliegenden Gipfel und auf die „Spectre“-Drehorte eröffnen, wurde die Struktur in den Berg gebaut.
Permafrost. Architekt Obermoser: „Hätten wir oben Felsen, dann hätten wir das Museum da hineingeschlagen. Doch wir haben Permafrost; Steine, die zusammengeeist sind. Also wählten wir Beton, der ist vom Material her am nächsten zum Fels. Das Bauwerk hat eine archaische Architektur. Es ist eine raue Betonskulptur, reduziert auf Stahl und Glas und Beton.“
Seit dem 12. Juli sind die „007 Elements“ nun täglich ab 9 Uhr für die Besucher geöffnet. Der Rundgang durch die Schau hat neun Stationen. FilmClicks war schon vor Ort. Hier unser erster Eindruck.
Rundgang. Die hochalpine Bond-Expedition beginnt in einem schmalen Trakt mit dem martialischen Titel
Barrel Of The Gun, also Revolverlauf. So, wie eine Kugel nur eine Richtung – geradeaus – kennt, so ist auch der Blick der Besucher nach vorn gerichtet, wo am Ende des Ganges die sinnlichen Titelsequenzen aus „Spectre“ projiziert werden.
Diesem Gegensatz zwischen der bewusst kargen Architektur und dem üppigen Bildgewitter der Filme begegnet man immer wieder. Nach der
Plaza, einer Terrasse mit feiner Fernsicht, geht’s zur dritten Station namens
Lobby, in der man auf der Leinwand von Regisseur Sam Mendes erwartet wird. Der Macher von „Skyfall“ und „Spectre“ erzählt nicht nur über seine eigenen Filme, sondern über die komplette 007-Historie. So erfährt man, dass die diversen Bonds seit dem ersten Film „Dr. No“ (kostete nur eine Million Dollar!) zahllose schöne Damen verführten (von denen ihnen freilich viele nach dem Leben trachteten), während sie gleichzeitig an die 140 Schurken zur Strecke brachten.
Bad Guys. Den Bad Guys gehört dann der nächste Raum, genannt
Lair, wo man per Video gleich von Christoph Waltz in Empfang genommen wird, mit seinem berühmten „Spectre“-Satz „Welcome James, finally we are here.“ Der Saal ist eine Mischung aus Video-Installation und Spiegelkabinett. In den spannend zusammengeschnittenen Szenen kommen nicht nur menschliche Schurken ins Bild. Wenn man in 3.000 Metern Seehöhe plötzlich einen hungrigen Hai herumschwimmen sieht, hat das einen speziellen Reiz. In Summe wirkt dieses Medley voller Bond-Widersacher aller Epochen wie ein Ausschnitt aus einem ultimativen 007-Film, den wir noch nie gesehen haben.
Weiter geht’s in den
Briefing Room. In der Mitte steht ein Modell des Drehorts Sölden, auf der Leinwand wird man von Naomie Harris empfangen. Die aktuelle Darstellerin der Miss Moneypenny erläutert in Wort und Bild die Bedeutung der exotischen Schauplätze für die Serie: „Die Locations sind das Herz jeder Bond-Story. James Bond ist ein stilvoller Reisender.“
Anschließend wird es technisch. Im
Tech Lab begegnet man wichtigen 007-Utensilien von der Omega-Uhr bis zur Skischuh-Knarre, die man interaktiv näher in Augenschein nehmen kann. Ausstellungsgestalter Tino Schaedler: „Wir haben den Raum dem Labor von Q nachempfunden, in dem sich James Bond immer die neuesten Gadgets vorführen lässt.“
Flugzeug. In der
Action Hall und dem folgenden
Screening Room geht es dann wieder um den Sölden-Film „Spectre“. Zunächst kann man das Flugzeug (oder das, was von ihm übrig blieb) in Augenschein nehmen, mit dem Daniel Craig in der Gletscher-Szene die Entführer von Léa Seydoux jagte. In Schaukästen sieht man, welch ausgeklügelte Choreographie hinter dieser Sequenz stand, die beim Dreh höllisch gefährlich war (Art Director Neal Callow: „Das Flugzeug flog so langsam, wie es nur konnte, während die Autos so schnell fahren mussten, wie das auf der Gletscherstraße nur möglich war“).
Im
Screening Room darf man dann Platz nehmen: Die komplette Flugzeug-Verfolgung aus „Spectre“ wird in einem Sechs-Minuten-Clip noch einmal vorgeführt. Wenn es den Betrachtern dabei warm wird, muss das nicht an der Action auf der Leinwand liegen. Die Sitzbänke sind nämlich beheizt. Und das ist insofern eine Erwähnung wert, als im gesamten Gebäude sonst auf eine Heizung verzichtet wurde.
Temperatur. Architekt Johann Obermoser: „Wir haben ,007 Elements‘ nicht beheizt, weil wir das Naturschauspiel auch in die Innenräume mit hineinnehmen wollen. ,Elements‘ ist eine Installation, in der alle Sinne angeregt werden.“
Nach dem Screening Room neigt sich das Erlebnis für alle Sinne dem Ende zu. In der letzten Station, der Legacy Gallery, sieht man Kostüme und andere berühmte Requisiten. Hier gibt’s auch einen Einkaufsbereich, in dem man zum Beispiel eine Bade-Short mit „Dr. No“-Motiv erwerben kann. Das macht Sinn in 3.000 Metern Höhe (Ironie an), denn bei James Bond weiß man nie: Es könnte ja irgendwo ein Hai herumschwimmen.
Fazit. „007 Elements“ ist eine hochprofessionell, kompetent und sehr liebevoll gemachte Ausstellung, die einen besonderen Reiz daraus bezieht, dass sie in einer hochalpinen Umgebung gezeigt wird. Das Bestreben der Gestalter, nicht nur Exponate aneinanderzureihen, sondern das Publikum mitten in den Bond-Kosmos hineinzuziehen, geht auf. Man kann in der Schau locker eine Stunde verbringen und erfährt eine Menge über die schwierigen bis riskanten Umstände, unter denen die glitzernden Thriller entstehen. Und wer ein Gefühl für die visuelle Formensprache der 007-Filme hat, wird auch diesbezüglich sensibel bedient: Die Architektur des Bauwerks zitiert immer wieder den Stil des aus Berlin stammenden Set Designers Sir Ken Adam (1921 – 2016), der von 1962 an die Ausstattung für sieben Bond-Filme entwarf und die Optik der Serie bis heute prägt.
Bleiben die Fragen: Wie kommt man hin zu den „007 Elements“ – und was gibt man aus?
Anreise & Preise. Zunächst muss man nach Sölden im Ötztal reisen; ein Weg, der vielen Urlaubern vertraut ist: Mit knapp zwei Millionen Übernachtungen pro Jahr zählt der Ort in Tirol zu den beliebtesten Tourismus-Zentren in Österreich. In Sölden besteigt man dann am besten die Gaislachkoglbahn, die einen in zwei Etappen von 1.363 auf 3.040 Meter Seehöhe schweben lässt. Allein diese Fahrt ist schon ein Erlebnis für sich. Nach ein paar Metern Fußweg kommt man dann an der Bergstation zum Eingang der Ausstellung.
Der Eintritt kostet für Erwachsene 22 Euro (Jugendliche: 17 Euro; Kinder: 12 Euro). Hinzu kommen noch die Kosten für die Seilbahn. Für Urlauber, die eine ÖtztalCard oder, im Winter, einen Skipass lösen, ist die Fahrt im Preis inbegriffen. Wer eigens wegen der Bond-Ausstellung nach Sölden kommt, muss für die Seilbahn (Berg- und Talfahrt) noch einmal 38 Euro (Kinder: 21 Euro) veranschlagen.
Wie viele Besucher werden künftig im neuen James-Bond-Museum in Sölden erwartet? Seilbahnen-Chef und „Elements“-Initiator Jakob Falkner: „Was jetzt, in der Startphase, geschieht, ist noch nicht relevant. Für mich zählen die Zahlen ab Sommer 2019. Da möchte ich 120.000 Leute pro Jahr in der Ausstellung haben. Der Bond-Tourismus wird sich entwickeln im Ort.“ Das ist auch notwendig, denn billig war die Anlage nicht. Die Bergbahnen Sölden haben in das Projekt, so Falkner, „mehr als zehn und weniger als 20“ investiert. In welcher Größenordnung und welcher Währung, sagt er nicht.
Daniel Craig. Hat sich eigentlich Daniel Craig schon für einen Besuch bei „007 Elements“ angekündigt? Jakob Falkner: „Daniel Craig wird privat herkommen. Aber sicher nicht mit Ansage. Denn er ist ein unheimlich fokussierter Schauspieler, aber keine Celebrity, die das Marktschreierische liebt.“